Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Silke Meermann | Britta Westermann
Praktische Tierärztinnen




Allergien beim Hund


Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe. Ähnlich wie bei uns Menschen nehmen auch bei unseren Haustieren Allergien insgesamt immer mehr zu. Hierfür sind verschiedene Mechanismen verantwortlich: so spielt einerseits die zunehmende Umweltverschmutzung eine Rolle, andererseits nimmt man an, dass das Immunsystem aufgrund der heute insgesamt sehr guten hygienischen Bedingungen gewissermaßen "arbeitslos" geworden ist und so leichter zu Überreaktionen auf normalerweise nicht krankmachende Reize neigt.

Symptome:
Beim Hund äußert sich eine Allergie mehr oder weniger ausnahmslos durch Juckreiz. Dieser tritt vor allem im Gesicht und an den Pfoten auf, kann aber auch den Unterbauch und die Achseln betreffen. Auf den Juckreiz reagiert der Hund mit vermehrtem Lecken oder Kratzen - dadurch kommt es in der Folge zu Infektionen mit bakteriellen Erregern und Hefepilzen. Auch häufige Ohrentzündungen ohne äußerlich erkennbaren Grund können Anzeichen einer Allergie sein!
Ist der Hund auf bestimmte Futterinhaltsstoffe allergisch, kann er außerdem mit Verdauungsstörungen in Form von vermehrtem Grasfressen, Blähungen und Durchfällen reagieren. "Heuschnupfen" und Asthma kommen dagegen beim Hund als Symptome einer Allergie - anders als bei uns Menschen - quasi nicht vor.

Ursachen:
Mittlerweile weiß man, dass die Veranlagung, eine Allergie zu entwickeln genetisch bedingt ist, also von den Elterntieren vererbt wurde. Darüber hinaus spielen aber auch unter anderem die Belastung mit Umweltgiften, Stress und viele weitere Faktoren eine Rolle.
Man unterscheidet beim Hund drei häufige Formen von Allergien, die durch unterschiedliche Auslöser, so genannte Allergene, hervorgerufen werden:

1) Atopie / atopische Dermatitis
Die Atopie oder auch atopische Dermatitis stellt eine häufige Form der Allergie dar, bei der die Hunde mit Juckreiz der Haut auf Allergene wie Hausstaub- und Futtermittelmilben, Schimmelpilze oder Pollen von Bäumen und Gräsern reagieren. Anders als früher angenommen, gelangen die Allergene jedoch nicht mit der Atemluft in den Körper des Hundes, sondern werden direkt über die Haut aufgenommen. Die Atopie entwickelt sich meist, wenn die Hunde bereits über 1 Jahr alt sind.

2) Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit
Auch die so genannten Futtermittelallergien kommen beim Hund relativ häufig vor; sie verursachen ebenfalls Juckreiz der Haut, können aber auch Verdauungsstörungen wie Erbrechen, Blähungen oder Durchfälle hervorrufen. Hierbei gelangen die Allergene über die Nahrung in den Körper und werden dann vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Futtermittelallergien bzw. -unverträglichkeiten können bereits ab einem Alter von wenigen Monaten auftreten.

Die häufigsten Auslöser sind dabei:
- Rindfleisch
- Kuhmilch und Milchprodukte bzw. Laktose
- Weizen
- Hühnchenfleisch

3) Flohbiss-Allergie
Eine Sonderform stellt die Flohbiss-Allergie dar, bei der der Hund allergisch auf den Speichel der Flöhe reagiert. Dies führt dazu, dass schon ein einzelner Flohbiss hochgradigen Juckreiz verursachen kann! Anders als bei den beiden anderen Allergieformen sind hier die betroffenen Hautstellen meist der Rücken und die Kruppe.

ACHTUNG!
Eine Allergie ist nicht heilbar! Die Veranlagung, auf bestimmte Dinge allergisch zu reagieren, ist angeboren und bleibt lebenslang bestehen! Ziel der Behandlung ist es daher, die Beschwerden so gut wie möglich in den Griff zu bekommen.
Ein Hund kann außerdem auch auf mehrere Dinge allergisch reagieren bzw. eine Atopie und eine Futtermittelunverträglichkeit haben - dies führt dazu, dass die Diagnostik und Behandlung oft mehrere Untersuchungen und Therapieansätze erfordert und sich dadurchrelativ langwierig gestalten kann!



Behandlungsstrategien:
Bevor mit der Behandlung eine Allergie begonnen werden kann, müssen zunächst andere Ursachen wie Pilz- oder Parasitenbefall sowie bakterielle Infektionen ausgeschlossen oder behandelt werden.
Nächstes Ziel ist es, die auslösenden Allergene zu identifizieren. Dabei kommen je nach Form der Allergie unterschiedliche Tests zur Anwendung:

1) "Allergietest" bei Atopie und Flohspeichelallergie
Ob das Tier auf Allergene wie Pollen, Schimmelpilze, Milben oder Flöhe reagiert, lässt sich über eine Blutuntersuchung feststellen. Dazu werden Ihrem Tier in unserer Praxis einige Milliliter Blut entnommen, die dann in einem Speziallabor auf diese Allergene getestet werden (ein Intrakutan-Test ist beim Hund ebenfalls möglich; dieser kann in spezialisierten Praxen und Kliniken durchgeführt werden). Das Ergebnis liegt in der Regel innerhalb weniger Tage vor.

2) Eliminations-Diät bei Futtermittelallergie
Die effektivste Möglichkeit, um bei einer Futtermittelunverträglichkeit herauszufinden auf welche Bestandteile das Tier reagiert, ist die so genannte Eliminationsdiät. Dafür muss der Hund über die Dauer von zunächst 8 Wochen ausschließlich mit einer Proteinquelle, d.h. einer Fleischsorte, und einer Kohlenhydratquelle gefüttert werden. Beide Dinge sollten für den Hund möglichst "neu" sein und nicht in den Futtermitteln enthalten sein, die der Hund vorher zu Fressen bekommen hat. Gut geeignete, "exotische" Proteinquellen sind beispielsweise Pferdefleisch, Hirsch oder Strauß; als Kohlenhydratquellen eignen sich Kartoffeln oder z.B. auch Tapioka. Sie können als Besitzer diese Diät natürlich selbst zubereiten - mittlerweile gibt es aber auch Firmen, die Trocken- oder Feuchtfutter mit den entsprechenden Komponenten herstellen.
Verschwindet innerhalb dieser 8 Wochen der Juckreiz, so weiß man zum einen, dass der Hund auf diese Komponenten nicht allergisch reagiert. Zum anderen kann man nun weitere Komponenten - wiederum über einen Zeitraum von 8 Wochen - mit hinzunehmen, um das Spektrum nach und nach zu erweitern. Tritt erneut Juckreiz auf, muss die entsprechende Komponente in Zukunft vermieden werden!
Die Eliminationsdiät muss mindestens über einen Zeitraum von 8 Wochen durchgeführt werden und verlangt von allen Menschen, die mit dem Hund zusammenleben, Konsequenz und Disziplin, da leider jedes Gramm des allergieauslösenden Stoffes das Ergebnis für mehrere Wochen verfälschen kann!

Nähere Informationen über Produkte bei Futtermittelallergien unter Paribal (www.paribal.de) und Vet-Concept (www.vet-concept.de)

Ist bekannt, auf welche Stoffe der Hund allergisch reagiert, besteht der wichtigste Behandlungsansatz in der Vermeidung dieser Allergene. Eine solche Allergenvermeidung ist v.a. bei Futtermittelunverträglichkeiten und bei Flohspeichelallergie (regelmäßige Flohprophylaxe) relativ einfach durchzuführen - reagiert der Hund aber beispielsweise allergisch auf Hausstaubmilben, so lässt sich ein Kontakt mit diesen sehr viel schwieriger vermeiden.

Für solche Fälle, in denen sich der Kontakt mit dem Allergen nur sehr schlecht vermeiden lässt, kommt die so genannte Hyposensibilisierung oder auch antigen-spezifische Immuntherapie als Behandlungsmöglichkeit in Frage. Dabei muss ebenfalls zunächst ein Allergietest erfolgen, um herauszufinden, auf welche Dinge das Tier reagiert. Aus diesen Antigenen wird dann in einem Speziallabor eine individuelle Lösung hergestellt, von der dem Hund dann über den Zeitraum von zunächst einem Jahr anfangs wöchentlich, später in größeren Abständen, eine kleine Menge injiziert wird. Dadurch "gewöhnt" sich das Immunsystem an diese Allergene und die Allergiesymptomatik geht zurück. Ist eine solche Hyposensibilisierung erfolgreich, so sollte sie lebenslang fortgesetzt werden, da auch durch diese Therapie die Allergie nicht geheilt, sondern nur reduziert wird!

In akuten Fällen sowie bei hochgradigen Beschwerden können auch beim Hund Kortisone angewandt werden. Kortison drosselt die Funktion des Immunsystems und verhindert dadurch dessen Überreaktion auf das auslösende Allergen. Allerdings wird auch die Abwehrleistung gegen tatsächlich krankmachende Erreger geschwächt, so dass der Einsatz von Kortison immer sorgfältig abgewogen werden sollte. Langfristig eingesetzt kommt es außerdem zu zahlreichen weiteren Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus.
Auch beim Hund können Antihistaminika zur Anwendung kommen - anders als das Kortison beeinflussen sie nicht das gesamte Immunsystem sondern nur die so genannten Histamin-vermittelten Reaktionen; allerdings ist die Behandlung mit Antihistaminika beim Hund oft relativ unbefriedigend.
Eine weitere, relativ neue medikamentelle Behandlungsmöglichkeit stellt das Cyclosporin A dar. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff aus einem Bodenpilz, welcher gezielt die Überfunktion des Immunsystems beeinflusst. Bei dieser Therapieform sind Nebenwirkungen selten, das Medikament ist jedoch relativ teuer.
Unterstützend kann vor allem bei der atopischen Dermatitis das Futter mit Essentiellen Fettsäuren (z.B. im Nachtkerzenöl enthalten) angereichert werden. Diese liefern alle für den Hautstoffwechsel notwendigen Bausteine und tragen somit dazu bei, dass die Schutz- und Barriereform der Haut verbessert wird und Allergene nicht so leicht aufgenommen werden können.

Zeigt Ihr Tier vermehrten Juckreiz oder vermuten Sie bei Ihrem Tier eine Allergie, so vereinbaren Sie einen Termin in der Praxis und wir beraten Sie gerne!



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