Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Silke Meermann | Britta Westermann
Praktische Tierärztinnen




Blasenentzündungen bei der Katze


Wie äußert sich eine Blasenentzündung bei der Katze?
Häufig werden uns Katzen in der Sprechstunde vorgestellt, bei denen die Besitzer blutigen Urin festgestellt haben. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Tiere, die ausschließlich in der Wohnung oder im Haus gehalten werden – bei Freigängern, die ihren Urin draußen absetzen, ist dieser einerseits viel schwieriger zu kontrollieren – andererseits kommen dort Blasenentzündungen auch seltener vor. Die betroffenen Tiere müssen meistens auch häufiger oder aber seltener Urin absetzen als gewöhnlich – bisweilen machen sie die Pfützen in dieser Zeit auch bevorzugt neben das Katzenklo. Die meisten Katzen haben bei einer Blasenentzündung kein Fieber und fressen und trinken oftmals auch normal. Kastrierte Tiere sind häufiger betroffen als unkastrierte Tiere.

Wie wird eine Blasenentzündung festgestellt?
Um eine Blasenentzündung zu diagnostizieren, steht die Untersuchung des Urins an erster Stelle. Dabei stellt bei der Katze die Uringewinnung oftmals schon die größte Schwierigkeit dar. Befinden sich die Pfützen auf glattem Untergrund wie beispielsweise PVC oder Fliesen, so können Sie diese mit Hilfe einer sterilen Einwegspritze aufziehen und in die Praxis bringen – darüber hinaus gibt es spezielle Urinproben-Sets, die aus einer nicht-aufsaugenden Katzenstreu, einer Pipette und einem Probengläschen bestehen und die Sie in der Praxis erhalten.

Liegt eine Blasenentzündung vor, so sind typischerweise die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutzellen (Leukozyten) und der Proteingehalt im Urin erhöht. Die Erhöhung der Blutzellen ist eine Folge der Schleimhautschädigung und der Entzündung – der erhöhte Proteingehalt weist meistens auf eine vermehrte bakterielle Aktivität hin. Auch der so genannte pH-Wert – ein Maßstab für den Säuregrad des Urins – ist von besonderer Bedeutung, da er in engem Zusammenhang mit dem Risiko für die Entstehung von Harnkristallen und –Steinen steht (s.u.).

Bei Katzen gibt es im Wesentlichen zwei Formen von Blasenentzündungen:

1) Die Blasenentzündung, bei der sich Harnkristalle oder sogar –Steine in der Blase befinden.
2) Die so genannte „idiopathische Zystitis

Welche Bedeutung haben Harnkristalle?
In vielen Fällen ist die Blasenentzündung die Folge einer Ansammlung von Harnkristallen in der Blase. Bereits winzig kleine Kristalle können mit ihren nadelscharfen Spitzen die Schleimhaut angreifen, so dass es zu Reizungen und Entzündungen kommt. Lagern sich die mikroskopisch kleinen Kristalle zu immer größeren Harnsteinen zusammen, so können diese im Extremfall die Harnröhre komplett verstopfen, so dass kein Urinabsatz mehr möglich ist! Das Risiko zu einem solchen Harnröhrenverschluss ist beim Kater wesentlich größer als bei der Katze, da die Harnröhre beim männlichen Tier viel enger ist und einen stark gewundenen Weg durch das Becken nimmt.

Bei Katzen kommen vor allem zwei Arten von Kristallen bzw. Steinen vor: dies sind einerseits die häufigeren Struvit-Kristalle und andererseits die etwas selteneren Kalzium-Oxalate. Vor allem bei der Entstehung von Struvit-Kristallen spielt der so genannte pH-Wert, also der Säure-Base-Wert des Urins eine wichtige Rolle: normalerweise sollte der Urin der Katze leicht sauer sein und einen pH-Wert von ungefähr 6,5 aufweisen. Wird der Urin zu basisch und steigt der pH-Wert an, so ist die Gefahr für die Entstehung von Struvit-Kristallen wesentlich höher. Entsprechend sollte beim Vorliegen von Harnkristallen der Urin über die Fütterung oder mit Hilfe von Methionin-haltigen Tabletten im leicht sauren pH-Bereich eingestellt werden.

Wenn Harnkristalle vorliegen, sind weiterführende Untersuchungen sinnvoll, um herauszufinden, ob sich bereits Steine gebildet haben und ob eventuell auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen sind.

Mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung können Kalzium-Oxalat-Steine nachgewiesen werden; auch über eine Ultraschalluntersuchung lassen sich Harnsteine darstellen. Über eine Blutprobe kann abgeklärt werden, ob die Nieren richtig arbeiten und ob eventuell auch der Kalzium-Wert im Blut verändert ist.

Wodurch entsteht eine Blasenentzündung?
An der Entstehung einer Blasenentzündung sind meist verschiedene Faktoren beteiligt. Dabei sind Bakterien im Urin nur sehr selten der eigentliche Auslöser – häufig spielen Harnkristalle eine Rolle (s.o.), in vielen Fällen liegt aber auch eine so genannte „idiopathische Zystitis“, also eine Blasenentzündung, bei der man die eigentliche Ursache nicht benennen kann, vor. Man hat herausgefunden, dass auch der Faktor Stress von entscheidender Bedeutung ist: Veränderungen in der Umgebung, Umzug, ein neues zwei- oder vierbeiniges Familienmitglied stellen für Katzen oft eine erhebliche Stressbelastung dar! Stress wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus und begünstigt dadurch die Anfälligkeit gegenüber Infekten und Entzündungen!

Welche Therapie- und Prophylaxe-Möglichkeiten gibt es bei Blasenentzündungen und Harnkristallen?
Die Behandlung einer Blasenentzündung richtet sich nach den Befunden der Urinuntersuchung und dem jeweiligen Auslöser. In akuten Fällen und vor allem dann, wenn sich Hinweise auf eine bakterielle Infektion finden, wird zunächst ein Antibiotikum per Injektion oder in Tablettenform für eine ausreichend lange Zeit verabreicht. Wenn vermehrter Harndrang besteht, werden zusätzlich krampflösende Wirkstoffe und Schmerzmittel eingesetzt. Dabei bietet vor allem der Wirkstoff Meloxicam zusätzlich den Vorteil, dass er die Blasenschleimhaut unempfindlicher macht. Dieser Wirkstoff wird daher häufig auch bei der „idiopathischen Zystitis“ eingesetzt.

Langfristig – und vor allem dann, wenn auch Harnkristalle vorliegen – spielt die Fütterung eine entscheidende Rolle! In den allermeisten Fällen ist die Umstellung auf ein Spezialfutter für Katzen mit Neigung zur Harnkristallbildung unvermeidbar. Diese Futtermittel sind so konzipiert, dass sie

- wenig von den Ausgangsstoffen enthalten, aus denen Kristalle entstehen können;
- über den pH-Wert die Bildung von Kristallen verhindern oder sogar die Auflösung von Struvit-Kristallen fördern;
- die Trinkmenge der Katze steigern, so dass die im Urin enthaltenen Stoffe gelöst bleiben und nicht so leicht auskristallisieren
- Bestandteile wie beispielsweise Grünlippmuschel- und Cranberry-Extrakt enthalten, welche die Blase zusätzlich schützen

Da in den meisten Fällen auch eine Stresskomponente beteiligt ist, sollten Sie als Besitzer überlegen, wie sie eventuelle Stress-Situationen für die Katze entschärfen können! Zusätzlich kann mit Pheromon-Steckern gearbeitet werden, die ebenfalls zu einer Stressreduktion führen.

Generell wird auch durch körperliche Aktivität und Bewegung das Risiko für Blasenentzündungen und vor allem Harnkristalle gesenkt – auch kann die Trinkmenge der Katze dadurch gesteigert werden, dass man Futter und Wasser getrennt anbietet, mit einem Zimmerbrunnen arbeitet oder Wassernäpfe aus verschiedenen Materialien aufstellt.

Auch homöopathische Mittel können sowohl im akuten Fall schnell Linderung verschaffen, als auch langfristig prophylaktisch zum Einsatz kommen.

Hat Ihr Tier ein bekanntes Blasen- oder Harnkristall-Problem oder haben Sie den Verdacht, dass Ihr Tier Schwierigkeiten beim Urinabsatz hat, so stellen Sie es unbedingt beim Tierarzt vor!

Wenn ein Harnstein die Harnröhre verstopft, so kann dadurch im schlimmsten Fall die Blase platzen!



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