Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Silke Meermann | Britta Westermann
Praktische Tierärztinnen




Sag‘ NEIN zu Doping im Hundesport!


Wenn der Begriff „Doping“ fällt, denkt man dabei meistens nicht als erstes an den Hundesport. Dennoch ist dies ein Thema, welches vor allem im Zusammenhang mit der Gabe von Schmerz- und Entzündungshemmenden Medikamenten immer mal wieder in den Blickpunkt gerät und momentan auch ganz aktuell durch ein Rundschreiben vom VDH - hier ansehen » zum Thema Dopingkontrollen vor allem bei Hundesportlern Beachtung findet.

Das Rundschreiben des VDH vom 26.02.2012 umfasst im Wesentlichen die folgenden, ab 01.03.2012 geltenden Punkte:

- Dopingkontrollen können bei allen nationalen und internationalen VDH-Veranstaltungen in Deutschland durchgeführt werden

- Dopingkontrollen sollen vor allem auf den nationalen Qualifikationsveranstaltungen im Agility, Turnierhundsport und Obedience zu den Europa- und Weltmeisterschaften durchgeführt werden

- Ähnlich wie bei menschlichen Sportlern erfolgt die Kontrolle durch eine Urin- und ggf. eine Blutprobe und auch hier werden eine so genannte A- und B-Probe genommen

- Bei Verstoß gegen die Dopingvorgaben kommt es zu harten Sanktionierungen, u.a.
o Nachträgliche Disqualifizierung des platzierten und gedopten Hundes
o Sperre des gedopten Hundes für mindestens 6 Monate bis hin zu 3 Jahren
o Evtl. zusätzliche Sperre des Besitzers und / oder Eigentümers mit dessen anderen Hunden für mindestens 6 Monate bis hin zu 3 Jahren
o Kostenübernahme durch den Besitzer / Eigentümer für alle Probenanalysen
o Veröffentlichung der Namen von und Hund und Besitzer / Eigentümer, bei denen die positive Dopingprobe gefunden wurde


Ähnlich wie es Listen mit Substanzen gibt, die beim Menschen und im Pferdesport laut Dopingvorgaben nicht zulässig sind, soll es demnächst auch vom VDH eine entsprechende Liste mit Präparaten geben, die unter die Dopingrichtlinien im Hundesport fallen. Bislang existiert diese Liste jedoch noch nicht, der VDH gibt momentan lediglich eine Übersicht über die betroffenen Substanzklassen. Hierzu zählen u.a. Stoffe, die auf das Nervensystem, den Magen-Darmtrakt, das Herz-Kreislaufsystem und den Bewegungsapparat wirken; auch fiebersenkende, schmerzstillende und entzündungshemmende Stoffe sowie Antibiotika, Antimykotika und antivirale Mittel zählen hierzu; ebenso Sexual-Hormone, Cortisone, Antihistaminika und Diuretika (= Entwässerungsmittel)..

Darüber hinaus ist es aber auch dann sinnvoll, sich mit dem Thema Doping im Hundesport zu beschäftigen, wenn man keine nationalen Qualifikationen anstrebt oder vielleicht mit dem eigenen Hund auch „nur so zum Spaß“ einen Agility-Kurs belegt und niemals plant, auf einem Turnier zu starten. Bisweilen kommt es vor, dass in diesem Bereich Hunde mehr oder weniger „unabsichtlich“ gedopt werden und sich die Besitzer über die möglichen Folgen gar nicht im Klaren sind. So ist es leider keine Seltenheit, dass Besitzer mit ihrem Hund, der z.B. aufgrund einer akuten Verletzung ein Schmerz- und Entzündungshemmendes Mittel bekommt, schon nach wenigen Tagen wieder am Sporttraining teilnehmen und die eigentlich vorgeschriebene Schonung des Hundes nicht beachten – die Lahmheit ist ja durch das Medikament verschwunden.

Schmerz- und Entzündungshemmende Medikamente, so genannte Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs), finden vielfach Verwendung nach akuten Verletzungen im Bereich des Bewegungsapparates (z.B. Zerrungen, Distorsionen, Bänderverletzungen), aber auch nach Operationen sowie bei älteren Hunden, bei denen Arthrosen oder Spondylosen vorliegen. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie direkt am betroffenen Gelenk die Bildung von Entzündungsbotenstoffen hemmen; dadurch heilt die Verletzung schneller aus und das Risiko der Entstehung einer Arthrose wird verringert. Diese Entzündungsbotenstoffe fungieren aber gleichzeitig auch als Schmerzmediatoren – dies hat den Effekt, dass das entzündete Gelenk aufgrund der Schmerzhaftigkeit vom Tier automatisch geschont und ruhig gehalten wird. Schmerz hat dadurch einerseits eine Schutzfunktion für den Körper – andererseits besteht aber auch das Risiko, dass sich ein so genanntes „Schmerzgedächtnis“ ausbildet und die Schmerzempfindung dauerhaft bestehen bleibt. Die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten nach einer akuten Verletzung oder bei Gelenkbeschwerden ist also sinnvoll, um der Entwicklung von chronischen Schmerzen entgegen zu wirken – gleichzeitig muss aber der Hundebesitzer nun selbst dafür sorgen, dass sich das Tier schont und das betroffene Gelenk nicht zu früh überlastet wird! Daher sollte ein Hund, der unter Schmerzmitteln steht, keinesfalls größeren körperlichen Belastungen ausgesetzt werden! Das Risiko, dass er dabei das betroffene Bein oder das betroffene Gelenk zu stark belastet und dadurch weiter schädigt und sich verletzt, ist enorm hoch! Dies gilt natürlich gleichermaßen für Trainings- und Wettkampfteilnahmen!

Darüber hinaus kommt in allen diesen Fällen aber auch noch ein tierschutzrechtlich relevanter Aspekt hinzu: Laut §3 des Tierschutzgesetzes ist es verboten,

- „einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen (…)
- an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen (…) Maßnahmen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind und die die Leistungsfähigkeit von Tieren beeinflussen können, sowie an einem Tier bei sportlichen Wettkämpfen (…) Dopingmittel anzuwenden“

Dies bedeutet ganz konkret, dass die Teilnahme am Training oder an einem Wettkampf mit einem Hund, der mit einem Schmerz- und entzündungshemmenden Mittel behandelt wird, tierschutzrechtlich sehr bedenklich ist und im Wettkampf als Doping zu werten ist!

Startet ein Hund trotz Einnahme eines Schmerzmittels im Training oder auf einem Wettkampf,
- …so gefährdet dies enorm die Gesundheit des Hundes – Schmerz hat eine natürliche Schutzfunktion, diese ist unter Einnahme von Schmerzmitteln ausgeschaltet!!
- …so handelt es sich dabei um Doping – und dadurch um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und bei Wettkampfteilnahme auch gegen die Vorgaben des VDH!

Tragen Sie mit dazu bei, dass der Hundesport sauber bleibt! Setzen Sie Medikamente nur entsprechend dem eigentlichen Verwendungszweck ein und beachten Sie die Vorgaben zur Schonung und Ruhighaltung des Hundes!



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