Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Silke Meermann | Britta Westermann
Praktische Tierärztinnen




Laufen im Geschirr


Vor allem bei Hundetrainern und Hundephysiotherapeuten wird häufig diskutiert, ob das Laufen im Geschirr Vorteile gegenüber dem Führen am Halsband bietet - und wenn ja, welches Geschirr für welchen Hund geeignet ist.
Generell kann man sagen, dass es aus medizinischer Sicht natürlich am besten wäre, wenn der Hund weder über das Halsband, noch über die Leine einen Ruck oder Zug erhalten würde und lediglich ein Halsband bräuchte, um daran die Hundemarke zu befestigen. Dies ist aber leider in unserer heutigen Umgebung mit Autoverkehr, jagdlichen Anreizen und Landeshundegesetz oftmals einfach nicht möglich.



Halsband oder Geschirr?
Für den normalen Spaziergang ist daher ein gutes Leinenführigkeitstraining sicherlich die beste Grundvoraussetzung, um den Hals bzw. den Rumpf des Hundes zu entlasten (s. Links => geeignete Hundeschulen).
Ein gutsitzendes, normales Halsband aus Leder oder Nylon liegt normalerweise im Bereich der mittleren Halswirbelsäule auf. Springt der Hund ins Halsband oder wird vom Besitzer an der Leine geruckt, so kann es zu so genannten "Blockaden" oder auch Dysfunktionen in diesem Bereich kommen. Hängt der Hund hingegen mit permanentem Zug im Halsband, so führt dies meist eher zu Muskelverspannungen und -Verhärtungen.
Bei einem Brustgeschirr wird der Druck insgesamt über eine größere Fläche des Brustkorbes verteilt. Dies bedeutet, dass der Hund dadurch gewissermaßen "besser und gesünder ziehen" kann. Aber auch, wenn der Hund im Geschirr geführt wird, kann es dabei zu Muskelverspannungen oder "Blockaden" kommen. Nicht selten schränken auch schlecht sitzende Brustgeschirre die Bewegung der Schulterblätter ein oder drücken sogar auf die Schultergelenke des Hundes.

Ob ein Halsband oder ein Geschirr nun aus Trainingssicht von Vorteil ist, hängt vor allem davon ab, was trainiert werden soll:
- soll der Hund lernen, an lockerer Leine entspannt neben dem Besitzer zu laufen, so ist vielleicht das Halsband die bessere Wahl, da die Einwirkung hier besser spürbar und das Ziehen für den Hund relativ unangenehm ist. Hierbei soll er ja lernen, nicht zu ziehen und man setzt vielfach andere Hilfsmittel wie Leckerchen ein, um den Hund vom Ziehen abzuhalten
- immer dann, wenn das Ziehen aber erlaubt (z.B. beim Fahrradfahren) oder vielleicht sogar erwünscht ist (z.B. beim Geländelauf, beim CaniCross oder Mantrailing), sollte der Hund dafür aber auf jeden Fall ein gut sitzendes Geschirr tragen!
Generell gilt sowohl für Halsband als auch für Geschirr: je breiter die Riemen und je besser ihre Polsterung, um so mehr verteilt sich der Druck bzw. Zug über den Hundekörper und umso geringer ist die Verletzungsgefahr.

Welches Geschirr eignet sich für meinen Hund?
Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl von verschiedenen Geschirren auf dem Markt - oftmals wird dabei die Entscheidung, welches Geschirr für den Hund gekauft wird, auch nach modischen Gesichtspunkten getroffen: Welche Farbe passt am besten zum Fell? Welche Marke ist im Moment angesagt und welche Klett-Schilder sind am witzigsten? Alle diese Dinge sind dabei allerdings aus medizinischer bzw. physiotherapeutischer Sicht völlig unwichtig.

Sicherlich gibt es eine Anzahl von Spezial-Geschirren für Arbeitshunde mit bestimmten Aufgaben (z.B. Geschirre für Blindenhunde, Geschirre für das Mantrailing, Geschirre für Schlittenhundrennen etc.) - allerdings sind weitaus die meisten unserer Hunde keine arbeitenden Spezialisten, sondern eher Familienhunde, die hin und wieder mal am Fahrrad geführt oder mit zum Joggen genommen werden. Geschirre für Familienhunde sollten folgende Anforderungen erfüllen: sie sollten dem Hund leicht an- und abzulegen sein; sie sollten gut gepolstert und nach Möglichkeit auch waschbar sein; für die dunkle Jahreszeit bieten Reflektoren zusätzlichen Schutz.

Aus medizinischer Sicht muss ein gutes Geschirr aber vor allem zwei Dinge erfüllen:
1) es muss vom Schnitt her zum Hund passen
2) es muss von der Größe her zum Hund passen
Beides klingt simpel - dabei ist es jedoch erschreckend, wie häufig bei uns in der Praxis Hunde mit schlecht sitzenden Geschirren vorgestellt werden.
Oft sehen wir beispielsweise Hunde mit so genannten "Norweger-Geschirren", bei denen also ein breiter, gepolsterter Riemen frontal quer über die Brust des Hundes läuft. Bei Hunden mit sehr breiter und gut bemuskelter Vorderbrust eignen sich diese Geschirre zum Führen in der Regel auch sehr gut. Bei schmaleren Hunden sieht das Geschirr im Stand oft auch noch "passend" aus, Probleme zeigen sich hier aber oftmals in der Bewegung: nicht selten rutscht dieser Querriemen dann auf die Schultergelenke und schränkt hier die Bewegung ein.
Auch die momentan recht beliebten Geschirre mit "Rückenpanzer", auf welchem lustige Schildchen befestigt werden können, sind für viele Hunde von der Passform her nicht optimal. Generell stellt sich bei diesen Geschirren die Frage, warum die Auflage auf dem Rücken so stabil und gut gepolstert ist, während die Gurte, die über Vorder- und Unterbrust laufen, sehr viel schmaler sind: die Zugbelastung für den Hund entsteht vor allem im Bereich dieser vergleichsweise schlecht gepolsterten Brustgurte. Die breite Polsterung am Rücken ist dann sinnvoll, wenn der Hund Lasten oder Packtaschen über größere Strecken tragen soll. Oft behindert dieser Panzer aber vor allem im Sommer den Wärmeaustausch mit der Umgebung (Strahlungswärme).

Alle Geschirre sollten auch immer von der Seite aus begutachtet werden:
- verlaufen die Riemen so, dass sich darunter die Schulterblätter frei bewegen können?
- Kann der Hund im Laufen das Bein gut zurückführen, ohne dass die Ellbogen gegen einen Brustgurt oder ein Rückenteil stoßen?

Allgemein ist es immer einfacher, wenn Sie mit Ihrem Hund vor Ort ein passendes Geschirr anprobieren können. Kaufen Sie ein Geschirr über den Versandhandel, so sollten Sie sich unbedingt vorher informieren, unter welchen Umständen ein Umtausch möglich ist. Gute Geschirre gibt es in verschiedenen Größen, viele sind zusätzlich noch größenverstellbar.

Empfehlenswerte Geschirre und Links:
Safety-Geschirr von Uwe Radant - hier zum Link » - nach ergonomischen Gesichtspunkten für die Arbeit an der Leine entwickelt
- breite, angenehme Auflage, dadurch großflächige Verteilung des Zugdrucks auf die Brust des Hundes
- Passform, die ein Verrutschen des Brustbeingurtes in Richtung Kehle verhindert; dadurch kein Würgen am Hals
- als Führgeschirr für den Alltagsgebrauch, aber auch als Zuggeschirr für Fahrrad, CaniCross und als Sicherheitsgeschirr im Auto
- verschiedene Farben; waschbar; mit eingearbeiteten Reflektoren für die Dunkelheit

Geschirre von Hussy - hier zum Link » - verschiedene Modelle, u.a. Norweger-, Windhund-, und Touren-Geschirre
- gut abgepolstert, sehr leichtes Material, optimal für Hunde, die mit dem Geschirr schwimmen gehen
- verschiedene Farben und Ausführungen, individuelle Anfertigung möglich



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